Flag Football

„Die Ehre meines Lebens“: Moritz Apfel über die Flag Football WM, Olympia und München

Die Spieler der deutschen Flag Nationalmannschaft im Huddle vor einem Spiel bei der WM
Die IFAF Flag WM Düsseldorf 2026 war für Moritz Apfel mehr als nur ein internationales Turnier. Der Nationalspieler der Munich Spatzen führte Deutschland als Kapitän aufs Feld, erlebte eine besondere Heim-WM vor Familie und Fans und blickt trotz verpasster direkter Olympia-Qualifikation optimistisch nach vorne. Im Interview mit Touchdown Munich spricht Apfel über die deutsche Leistung, den Traum von Los Angeles 2028, die Entwicklung von Flag Football und die besondere Rolle von München.

„Es war unglaublich und wirklich ganz besonders“

Touchdown Munich: Eine Heim-WM vor deutschem Publikum erlebt man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Was bleibt dir persönlich von diesen Tagen in Düsseldorf am stärksten in Erinnerung?

Moritz Apfel: Es war unglaublich und wirklich ganz besonders. Die Lautstärke unserer fantastischen Fans, bei der Hymne zu stehen, unsere Teamchemie – alles ist noch so präsent. Daher fällt es mir sehr schwer, etwas Bestimmtes herauszustellen. Es wird bestimmt noch etwas dauern, das zu verarbeiten.

„Persönlich ist es die Ehre meines Lebens“

Touchdown Munich: Was hat es dir bedeutet, die deutsche Flag-Football-Nationalmannschaft als Kapitän bei diesem Turnier auf das Feld zu führen?

Moritz Apfel: Zum einen macht es mich natürlich wahnsinnig stolz, besonders live vor meinen Eltern das Nationalteam aufs Feld zu führen. Hauptsächlich aber ist es gleichzeitig eine unglaubliche Ehre, aber auch Verantwortung, dieses Vertrauen der Coaches und Mitspieler zurückzuzahlen.

Diese Rolle existiert ja nicht nur während des Turniers, und ich gebe den ganzen Prozess durchgehend alles, um da so nah wie möglich ranzukommen. Persönlich ist es natürlich die Ehre meines Lebens und etwas, das mich bis an mein Lebensende mit Stolz erfüllen wird.

„Zufrieden, aber nicht glücklich mit unserem Turnier“

Touchdown Munich: Deutschland hat es bei der IFAF Flag WM Düsseldorf 2026 bis ins Viertelfinale geschafft. Wie bewertest du das Turnier mit etwas Abstand? Und wo lagen gegen Europameister Italien beim 22:38 die entscheidenden Unterschiede?

Moritz Apfel: Auf der einen Seite steht die Erfüllung des sportlichen Mindestziels und eine klare Leistungssteigerung. Auf der anderen Seite haben wir drei Spiele verloren, die wir durch eine reifere Performance hätten gewinnen können beziehungsweise müssen.

Das Spiel gegen Italien war sehr eng und taktisch gespielt. In unserem Sport ist dann der erste Fehler leider oft schon spielentscheidend. Den haben leider wir gemacht, nachdem wir ein, zwei Chancen auf unserer Seite ausgelassen haben. Insgesamt würde ich sagen: Ich bin zufrieden, nicht glücklich mit unserem Turnier.

© Lea Wohlfahrt / AFVD

Der Blick richtet sich bereits auf Olympia 2028

Die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gelang der deutschen Mannschaft in Düsseldorf nicht. Der Traum von Olympia ist für Apfel deshalb aber keineswegs kleiner geworden.

Touchdown Munich: Wie groß ist die Enttäuschung über die verpasste direkte Qualifikation – und wie schnell richtet sich der Blick auf die nächste Chance?

Moritz Apfel: Man versucht einfach direkt das Positive aus dem Turnier mitzunehmen. Das heißt für uns: Wir sind wieder an der Weltspitze dran, aber es existiert noch eine kleine Lücke nach ganz oben. Die zu schließen, wird die Aufgabe für den nächsten Zyklus werden. Da sind wir sofort wieder fokussiert darauf.

Touchdown Munich: Was würde es dir persönlich bedeuten, Deutschland 2028 bei den Olympischen Spielen vertreten zu dürfen?

Moritz Apfel: Generell für Deutschland spielen zu dürfen, ist ein unfassbares Privileg. Und dann nach langen Jahren des Leistungssports unverhofft noch einmal die Chance auf die allergrößte Bühne des Weltsports zu erhalten, ist ein Traum.

Munich Spatzen und Nationalteam: „Auf Geschwindigkeit wird international sehr großer Wert gelegt“

Neben der Nationalmannschaft spielt Apfel für die Munich Spatzen, die 2026 Deutscher Meister im Flag Football wurden. Zwischen Vereins- und Nationalmannschaft gibt es für ihn dennoch deutliche Unterschiede.

Touchdown Munich: Was unterscheidet den Football im Nationalteam am stärksten von dem, was du aus München kennst?

Moritz Apfel: Die Herausforderung bei der Nationalmannschaft im Vergleich zum Vereinssport ist immer, dass man weniger Zeit zur Abstimmung hat. Besonders in der Defensive muss man blind wissen, was der Nebenmann macht – das muss man in kürzester Zeit entwickeln.

Der Unterschied im Niveau ist hauptsächlich athletisch bedingt. Auf Geschwindigkeit wird international sehr großer Wert gelegt. Und die Trainings der Natio sind konkurrenzbedingt deutlich kompetitiver, als wir sie im Amateursport gestalten können und wollen.

© Lea Wohlfahrt / AFVD

Vom Deutschen Meister direkt zur WM

Zwischen dem Titelgewinn der Munich Spatzen und der Weltmeisterschaft lagen nur wenige Wochen. Viel Zeit, den Vereinserfolg zu genießen, blieb deshalb nicht.

Touchdown Munich: Wie viel Selbstvertrauen konntest du aus der erfolgreichen Saison mit den Munich Spatzen zur Nationalmannschaft mitnehmen?

Moritz Apfel: Ich persönlich habe tatsächlich versucht, das so gut wie möglich auszublenden. Die Finals waren ja nur zwei Wochen vor der WM und wir mussten sofort von Gegnern zu Teamkollegen wechseln, da der Großteil unserer Natiospieler auch im Verein auf höchstem Niveau spielt. Das war aber überhaupt kein Problem, dafür haben wir eine auch menschlich viel zu gute Truppe.

Flag Football wächst – auch in München

Flag Football erlebt aktuell einen enormen Aufschwung. NFL-Programme, die Olympischen Spiele 2028 und neue Angebote in Deutschland sorgen für zusätzliche Sichtbarkeit.

Touchdown Munich: Merkst du als Spieler selbst, dass sich die Wahrnehmung des Sports verändert?

Moritz Apfel: Unbedingt. Sowohl die Wahrnehmung von außen – mittlerweile trifft man schon viele Leute, die den Sport kennen. Aber auch innerhalb der Football-Bubble, weil es mehr und mehr Spieler vom Tackle ausprobieren und merken, dass es einfach brutal viel Spaß macht.

Gerade in München ist dieses Wachstum deutlich zu spüren.

Touchdown Munich: Was müsste passieren, damit Flag Football in München noch größer wird?

Moritz Apfel: Der Sport verzeichnet in den letzten Jahren schon ein unglaubliches Wachstum. Bei den Munich Spatzen hatten wir zwischenzeitlich schon wirklich Platzprobleme, um für alle einen regelhaften Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten. Da müssen wir der Stadt München danken, dass wir mittlerweile mehr Zeit und Platz nutzen dürfen.

Die Aufgabe für die Zukunft wird sein, eine tragfähige Jugendarbeit aufzubauen. Auch dafür brauchen wir Platz und Trainer.

„Leicht zu lernen, aber schwer zu meistern“

Wer Flag Football bei der WM zum ersten Mal gesehen hat, bekam einen guten Eindruck davon, warum sich der Sport weltweit so dynamisch entwickelt.

Touchdown Munich: Warum sollte man Flag Football unbedingt einmal selbst ausprobieren?

Moritz Apfel: Wenn jemand die WM gesehen hat, ist das glaube ich selbsterklärend. Es ist schnell, anspruchsvoll, leicht zu lernen, aber schwer zu meistern – und vor allem anderen macht es einfach unglaublich viel Spaß.

© Munich Spatzen

Von der Uni zu den Munich Spatzen

Apfels eigener Weg zum Flag Football begann deutlich unspektakulärer als eine Heim-WM oder der Traum von Olympia.

Touchdown Munich: Wie bist du damals zum Flag Football gekommen und schließlich bei den Munich Spatzen gelandet?

Moritz Apfel: Ich bin Footballfan, seit ich etwa zehn Jahre alt war, hatte aber keinen Verein in Reichweite. Als ich dann zu studieren begonnen habe, war der Flag-Football-Kurs im Unisport der logische Schritt – und ich habe nie wieder aufgehört.

Zu den Spatzen hatte ich schon Jahre vor meinem Umzug nach München immer wieder an verschiedenen Punkten Kontakt und habe mich dann auch super schnell eingelebt. Fun Fact: Ich bin sogar mit den Spatzen umgezogen. Ich war mit meinem alten Team bei einem Turnier, an dem auch die Spatzen teilnahmen, und bin dann mit ihnen nach München gefahren.

München bleibt auch abseits des Football-Feldes Heimat

Dass Apfel inzwischen fest in der Münchner Flag-Football-Szene verankert ist, zeigt sich nicht nur sportlich.

Touchdown Munich: Hast du einen Lieblingsspot in München, an dem du besonders gerne abschaltest?

Moritz Apfel: Ich wohne am Olympiapark, also viele Spots dort. Ich habe außerdem eine Dauerkarte im Lenbachhaus, wo ich mich sowohl im Garten als auch in der Ausstellung sehr gerne aufhalte.

Für Apfel verbinden sich damit sportlicher Erfolg, Nationalmannschaft und persönliches Zuhause in München. Während American Football durch die NFL, das NFL Munich Game 2026 und neue Flag-Football-Angebote in München weiter wächst, gehört er zu den Gesichtern einer Sportart, die spätestens mit Olympia 2028 noch einmal deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen dürfte.